Des Rätsels Lösung? – Warum Männer eher Karriere machen als Frauen!

Der Karriereweg von Frauen und Männern fängt schon ganz früh in ihrem Leben an, denn Mädchen und Jungen werden von klein auf mit geschlechtstypischen Rollenerwartungen und Kompetenzzuschreibungen konfrontiert.

 

Ausbildung geschlechtsspezifischen Spielverhaltens

Die Bereiche Bauen, Technik und Naturwissenschaften gelten in unserer Gesellschaft immer noch als männliche, die Bereiche Soziales, Gesundheit und Familie als weibliche Domänen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Mädchen deutlich weniger Erfahrungen als Jungen beim Bauen und im Umgang mit technischem Spielzeug und Werkzeugen haben. Sie bekommen von ihren Eltern und anderen Bezugspersonen weniger Baukästen und technisches Spielzeug geschenkt und sie werden seltener angeregt, bei Reparaturen im Haushalt mitzuhelfen. Jungen hingegen fehlen eher Erfahrungen im Umgang mit Tieren und Pflanzen und besonders bei häuslichen Tätigkeiten. Auch Studien der A&M-Universität Texas/USA und der Universität London bestätigen, dass sich Mädchen und Jungen unterschiedlich von Spielzeug angezogen fühlen. Dies wird mit traditionellen Aufgaben aus früheren Zeiten in Zusammenhang gebracht. Typische Jungenspielsachen wie Autos oder Bälle können aktiv bewegt werden. Sie fördern damit Fähigkeiten, die in Vorzeiten fürs Jagen wichtig waren. Die Aufgaben der Frauen damals beschränkten sich auf die Zubereitung des Essens und das Aufziehen von Kindern.

 

Auch das Spielzeug, mit dem die Kinder täglich spielen, trägt zur Bildung von Rollenklischees bei. Eine große Rolle dabei spielen auch die Medien, die den Kindern schon früh zur Verfügung stehen. Schon mit dem ersten Bilderbuch werden geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen geprägt. Es ist immer noch der Junge, der in abenteuerlichen Geschichten die Welt erobert. Das Mädchen spielt hingegen eher ruhiger und traut sich meist allein erst gar nicht hinaus. Auch bei Werbekampagnen in Kinderzeitschriften und im Fernsehen ver­su­chen die Firmen bei den Kindern Bedürfnisse zu wecken und arbeiten im Interesse des Umsatzes meist mit Rollenklischees. In den meisten Werbeclips und –anzeigen spielen hübsch zurecht­ge­machte Mädchen mit Barbies und ganz „normal“ aussehen­de Jungen mit Carrera-Bahnen. Die Werbestrategen sind sich der kindlichen Einflussnahme auf das Kaufverhalten der Eltern bewusst. So werden Mädchen und Jungen häufig unbewusst mit bestimmten klischeehaften Spielsachen konfrontiert und in attraktiver, kindgemäßer Form in ihre geschlechtsspezifischen Rollen zurückgedrängt.

 

Die Kinder werden in ihrer Spielzeugwahl aber nicht nur durch die Werbung beeinflusst, sondern auch durch Erfahrungen im Umgang mit den Menschen in ihrem sozialen Umfeld. Hier spielen besonders Eltern, Geschwister, Freunde oder die Mitglieder der Peergroup eine prägende, vorbildhafte Rolle. Meist unbewusst handeln diese Vorbilder nach den geschlechtstypischen Rollenerwartungen. Trotz der veränderten Familienstrukturen sind die veralteten Leitbilder und Rollenklischees bei den Kindern schon bzw. noch stark verankert. Tagtäglich erleben sie, wie ihre Eltern oder Großeltern untereinander sowie mit ihnen und ihren Geschwistern typisierend umgehen. Bereits bei Schuleintritt haben Mädchen und Jungen deshalb unterschiedliche geschlechtsspezifische Rollenerfahrungen gemacht.

 

Ausbildung geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen

Als Babys hatten wir alle die gleichen Bedürfnisse. Wir hatten Hunger, uns war kalt oder warm, wir wollten Aufmerksamkeit oder emotionale Zuwendung. Als kleine Kinder waren wir alle traurig, sehnsüchtig, verzweifelt oder wütend, wenn die Dinge nicht so liefen, wie wir uns sie vorstellten. Unabhängig von dem Geschlecht haben wir geweint oder geschrien, wenn wir etwas nicht bekommen haben. Mit zunehmendem Alter änderte sich dies. Beobachtungen mit 6-jährigen Kindern haben gezeigt, dass Mädchen eher als Jungen weinen, getröstet werden oder kuscheln wollen. Jungen haben in der Zwischenzeit von verschiedenen Vorbildern gelernt, dass „ein Mann nicht weint“ und schlagen bei einem Streit eher zu. Sie regeln Streite untereinander, während Mädchen eher Erwachsene zur Hilfe holen. In vielen Medien werden Mädchen als zickig oder ängstlich dargestellt, Jungen als stark oder mutig. Dabei sind Mädchen und Jungen zunächst gleichstark. Allerdings führen mangelnde Erfahrungsmöglichkeiten und Rollenzuschreibungen dazu, dass Mädchen ihre körperliche Stärke nur unzureichend erproben und ausbauen können. So wird von Erwachsenen oft vermittelt, dass Bewegungsarten wie toben, raufen oder klettern „unweiblich“ sind. Hingegen werden Jungen öfter darin unterstützt, ihren räumlichen Umkreis zu erweitern. Die Eltern ermutigen sie zum Beispiel, sich auf dem Klettergerüst auch mal etwas höher hinauszuwagen oder bei anderen Gelegenheiten Mut zu beweisen. Bei Mädchen sieht das anders aus. Sie werden eher abgebremst. Andererseits wird mit Mädchen in der Regel mehr gesprochen. Dieser unterschiedliche, meist unbewusste Umgang trägt mit dazu bei, dass Jungen sich selbstbewusster bewegen, Mädchen hingegen kommunikativer werden. Äußerungen wie „Typisch Mädchen – Typisch Junge“ sind auch heute noch sehr geläufig und werden für die Erklärung verschiedener Verhaltensweisen herangezogen. Häufig wird damit extremes Verhalten entschuldigt, z.B. Jungen tragen Konflikte körperlich aus, während Mädchen sich eher zurückziehen. Es gibt noch viele weitere Beispiele, die klischeehafte mädchen- oder jungentypische Verhaltensweisen beschreiben.

Reflexion des eigenen Rollenverständnisses

Insgesamt wird deutlich, dass bei unserer Geburt das individuelle Potenzial an Möglichkeiten und Interessen in beiden Geschlechtern gleichermaßen steckt. Entscheidend für spätere Verhaltensmuster ist nicht das biologische Geschlecht. Die Geschlechtsrollenausprägung wird sehr stark durch die Art, wie Kinder ihre (geschlechtlichen) Vorbilder tagtäglich erleben, beeinflusst. Kinder übernehmen die Vorgaben des eigenen Geschlechts schon sehr früh und verfestigen diese. Was gerade als besonders „weiblich“ oder „männlich“ gilt, wird an den herrschenden gesellschaftlichen Normen gemessen. Die Verankerung dieser Klischees im Denken lässt sich schon bei Kindern im Grund­schul­alter (häufig auch noch früher) beobachten. Sie haben sich zum Teil bereits in die geschlechtsspezifisch vorgeprägten Rollen eingefügt. Derartige Rollenklischees gilt es daher aufzuzeigen, da bestehende Vorurteile sonst unter Umständen gefestigt werden. Viele Verhaltensweisen werden sogar noch von Erwachsenen als selbstverständlich hingenommen und nicht bewusst als kritisch wahrgenommen oder reflektiert. Doch um kein „Opfer“ dieser Rollenerwartungen zu werden, ist es wichtig, sich nicht nur über Rollen zu definieren, sondern unabhängig davon agieren zu können. Es ist wichtig, dass man sich seinen Beruf nach Wünschen und Interessen auswählt und nicht nach einem Rollenverständnis.

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Artikel druckenDieser Beitrag wurde am 7. März 2011 von Attila erstellt.

One Response to “Des Rätsels Lösung? – Warum Männer eher Karriere machen als Frauen!”

  1. T. Richter said...

    Ein sehr interessanter Artikel! Mit diesen Erkenntnissen ausgerüstet, müsste es doch auch klar sein, dass nicht die sogenannte “Frauenquote”, sondern vielmehr ein Umdenken in unserer Gesellschaft notwendig ist, damit jeder Einzelne sein Potenzial voll entfalten kann.

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